Statement des T-Keller Kollektivs zur Störung des Vortrags am 04.03.26

Am 4. März sollte in unseren Räumen eine Veranstaltung der antisemitismuskritischen und feministischen Gruppe f_act mit dem Titel „Is Palestine a feminist Issue? Zur Verschränkung von (Queer)-Feminismus und Antisemitismus“ von Cordula Trunk stattfinden.

Bereits vor Beginn des Vortrags waren einige Personen anwesend, welche mittels Schildern stillen Protest ausübten. Nach wenigen Minuten wurde die Veranstaltung jedoch verbal so massiv gestört, dass eine Fortführung nicht möglich war. Trotz eines Diskussionsangebots und Bemühungen durch die Referentin und anwesenden Personen, war es nicht möglich die Situation in Richtung einer Diskussion zu lenken. Um den Vortrag fortsetzen zu können, forderten wir die störenden Personen mehrfach auf, den Raum zu verlassen. Nachdem den wiederholten Aufforderungen nicht nachgekommen wurde, verschärfte sich die Situation zunehmend durch anhaltende Rufe, Beschimpfung und Anschuldigungen seitens der Störer:innen, durch die die Situation weiter eskalierte. Daraufhin entschieden sich Menschen aus dem T-Keller-Kollektiv gemeinsam mit anwesenden Gästen, die Personen aus den Räumen zu drängen. Dabei kam es zu Rangeleien, weiteren Beleidigungen und ideologisch aufgeladenen Vorwürfen.

Ein solches Verhalten verurteilen wir klar. Veranstaltungen gezielt zu stören, Diskussionen zu verhindern und Positionen durch Einschüchterung oder Beschimpfungen durchzusetzen, ist für uns kein akzeptabler Umgang mit politischen Differenzen. Der Vorfall steht für uns nicht isoliert. Vergleichbare Situationen, in denen Veranstaltungen gezielt gestört und inhaltliche Auseinandersetzungen verhindert werden, lassen sich derzeit auch über lokale Zusammenhänge hinaus beobachten. Für uns ist das Ausdruck einer politischen Entwicklung, in der autoritäre Durchsetzungsformen und Projektionen zunehmend Raum greifen und dazu beitragen, Auseinandersetzungen zu verzerren und zu eskalieren. Häufig folgt dies einer verkürzten Freund-Feind-Logik: Komplexe Positionen werden reduziert, Nuancen ignoriert, und Konflikte werden polarisiert. Diese Dynamik ist besonders gefährlich, da historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge radikal vereinfacht und ideologisch instrumentalisiert werden.

Gerade vor diesem Hintergrund halten wir es für notwendig, an Formen der politischen Auseinandersetzung festzuhalten, die auf Kritik, Widerspruch und Diskussion setzen und nicht auf Einschüchterung oder die Verhinderung von Veranstaltungen in linken Räumen. Der T-Keller soll ein Ort bleiben, an dem kontroverse Positionen aufeinandertreffen können – auf eine respektvolle, solidarische und möglichst gewaltfreie Weise.

Wir bedauern, dass der Vortrag nicht störungsfrei stattfinden konnte, und solidarisieren uns mit Cordula Trunk und f_act. Auch künftig sollen Veranstaltungen wie diese bei uns möglich sein und damit einen Raum für politischen Diskurs zulassen.

Wir nehmen den Vorfall auch zum Anlass, innerhalb unseres Kollektivs zu reflektieren, wie wir in solchen Situationen handeln können und wollen und welche Formen des Umgangs mit Störungen wir für unsere Räume angemessen finden.

Wir wünschen uns, dass der Vorfall auch von den beteiligten Personen und in den politischen Zusammenhängen, aus denen sie kommen, reflektiert und aufgearbeitet wird.

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